Tourenbeschreibung Nordjemen:

Von Sana'a geht es nach Norden zum *Wahdi Dahr* mit eindrucksvollen Felsklippen und Dörfern, ein Wochenendausflugsziel der Einheimischen. Hier kann - bei günstigen Winden - geflogen werden. Wir besuchen den Felspalast *Dar - al Hajjar* und der Toyota klettert auf steiler Piste auf die Kante des Hochplateaus. Auf der gegenüberliegenden Seite bietet sich ein atemberaubender Anblick. Mindestens tausend Meter stürzen die Berge in tiefe Canyons hinab, dazwischen liegen Anbauterrassen und auf manchen Klippen extrem gewagte Dörfer, Adlernestern gleich.

Über einem dieser Canyons auf ca. 3000 Meter, liegt der Startplatz *Boukor, *wo wir fliegen werden.Aus Sicherheitsgründen tun wir das am Vormittag. Die Thermik ist gut udn bald kreisen wir über einer Landschaft,die an den Grand Canyon der USA erinnert.

Über verwegene Pisten erreichen wir Thula, Hababa und Shibam, unser Übernachtungsort. Die Dörfer hier sind beeindruckende Zeugnisse altjemenitischer Baukunst.

Nach dem üppigen, köstlichen Essen geht es zum Qat. Ich bewundere mit Humor die Anrichtung: Man lümmelt ungezwungen auf den Sofas im großen Speisezimmer und wartet die in Tüten hereingebrachten „Büsche" ab.. Es ist ein Konversationsmittel im Jemen. Qat wird gekaut und in der Backe behalten. Mit Wasser spült man den Saft hinunter. Es stimuliert mächtig und schon so mancher Vertragsabschluss wurde durch die Wirkung des Qat oder an einem Qatnachmittag ausgehandelt. Qat gehört zur Lebensweise der Jemeniten, hat aber auch soziale Nebenwirkungen. Zwischen zwei Uhr und vier bis fünf Uhr nachmittags ist das öffentliche Leben aufs Minimum reduziert!

*Al - Mahwit*. Diese Ortschaft liegt auf dem Gipfel eines Bergrückens und ist umgeben von flachen Terrassen. Wir steigen aus und stehen über einem kurzen Wiesenhang.

Das ist an sich nicht umwerfend, doch dafür die Aussicht. Die verschlägt einem schier die Sprache. Die darunterliegenden Hänge und Rippen brechen fast 2000 Meter ab in ein von Schluchten und Gräben und einem Flußlauf erfülltes Tal. Die Morgensonne streift die Hänge und verzaubert sie. Kleine Dörfer liegen wie Fabelburgen auf einsamen Graten. Wenn dieser Flug klappt - Thermik oder nicht - allein schon das Gleiten über dieser faszinierenden Weite, ist jeden Einsatz wert !
In einem Bogen geht es weiter nach *Manakhah*. Dieses Dorf in den Harazbergen ist Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen und spektakuläre Orte und Ausblicke, aber auch entsprechende Flüge!

Wir stehen im letzten Sonnenlicht vor einem freundlichen Herrn und einigen Kindern, die uns willkommen heissen: das Hotel Al Hajjirah ist erreicht !

Am nächsten Morgen ein satter Wiesenstart im Gegenwind, großer Höhenunterschied, sanfte Thermik, faszinierende Landschaft: Start bei *Kahil *unterhalb des Jebel Haraz auf 2700 m. Wir überfliegen Klippen und Grate, Adlernester und Wahdis - eine Landschaft wie bei Karl May !

Unsere Reise geht weiter.
Sehr früh brechen wir auf, denn es wird sehr heiß. Abwärts geht es in die Region Tihama, das ist die Küstenregion. Flach, steppig, staubig und kernige 40 Grad !Wir erreichen gegen Mittag die Hafenstadt
*Al-Hudaida* am Roten Meer. Auf einer der Stadt vorgelagerten Halbinsel gehen wir baden, die Frauen bekleidet.

Das Wasser, wäre kein Wind, würde ich als 35 Grad warm empfinden !

Und nach dem Meer gibt es leckeren Fisch und Krabben aus der Grillbude. Berge von Schalen türmen sich vor uns nach dem Mittagsmahl. Für einen vergleichbaren Imbiss würde man in Europa 80.- Euro bezahlen müssen, hier aber sind es schlappe 10.- Euro umgerechnet. Am Abend erreichen wir bei *Al - Kukha* das „Tourist Village Sindibad. Auf ins kühle Nass! Um uns herum liegen verstreut hölzerne Fischerboote. Das Wasser reicht bis an den Palmenwald. Von dort folgen wir Richtung Süden entlang der fast menschenleeren Küste bis zur Stadt *Mokka*.

Die Asphaltstraße hat uns wieder: es geht bergwärts nach *Ta'izz*, der zweitgrößten Stadt des Jemens.Hier,am Jebel saber, können wir 1300 Meter über einer Millionenstadt in die Luft gehen, falls die Winde günstig wehen! Gelandet wird am Stadtrand und Besucher gibt es zuhauf.

Am *Sayyanipass*, auf dem Weg nach Ibb, finden wir ein weiteres, sehr schönes Fluggebiet, wo wir jedoch alleine sind und erkunden im Aufwind ein ganzes Tal. *Ibb* ist unser letztes Quartier bevor wir unsere Runde beenden. Die freundliche, saubere Stadt mit ihrem angenehmen Klima und den netten Menschen liegt auf dem Pass, umgeben von Bergen.Im Sultan Palace Hotel, ebenfalls ein Familienbau in der Altstadt, nehmen wir Abschied von unserem jemenitischen Begleiter Nasr, der uns zu einer unvergesslichen Reise verholfen hat.

 

*Fluggebiete:*

1. *Boukor*, ca. 3000 m, Start: mittel, Richtung NW, nur für Erfahrene ! ca. 50 km nördlich von Sana'a Soaring und Thermikflüge über der Abbrüchen des Jauf (zentralen Hochplateaus)

2. *Wahdi Dar*, ca. 2400 m, Start: N, schwierig, beim Aussichtspunkt, ideal bei Soaringbedingungen

3. *Al Mahwit*, ca. 2700 m, Start nach NE, leicht, ca. 1500 m HU

4. *Kahil*, ca. 2700 m, Start: E, leicht, Piste von Manakhah, Landung im Wahdi neben Straße Sana'a - Manakhah auf ca. 1300 m

5. *Al-Kadr*, ca. 2350 m, direkt Hügel über Manakhah, Start: W, NW, mittel, Flug in den Wahdi Mossana

6. *Al - Hajjirah*, ca. 2300 m, Start: E, NE, ca. 500 m nördlich vom Hotel Al- Hajjirah, in den Wahdi Mossana

7. *Jebel Saber*, ca. 2750 m, Start 500 m südlich des Senders unterhalb Piste, E, SE, mittel, Flug nachTa'izz

8. *Sayyanipass*, ca. 2340 m, Start: S (Talwindfluggebiet), leicht, Straße von Ta'izz nach Ibb

9. *Jebel Smera*, ca. 2650 m, über Ibb, verschiedene Richtungen, Start mittel, Piste.


*Literatur:*

Marco Polo Reiseführer Jemen, mit Karten

Serie ReiseKnow How Jemen